Angedacht – „Ruhig inmitten der Wogen“

Ruhig inmitten der Wogen“ steht auf der Borkumer Flagge in lateinischer Sprache: „mediis tranquillus in undis“.

Entnommen ist dieser Wahlspruch dem Siegel der reformierten Kirchengemeinde dort. Heutzutage begegnet er einem allerdings fast überall.

„Ruhig inmitten der Wogen“: Ja, so liegt sie da, die Insel Borkum. Sie bietet Schutz und trotzt so manchen Naturgewalten. Das spüren Touristen und das erleben Insulaner noch viel intensiver. „Ruhig inmitten der Wogen“: Es gibt Orte – das sagen diese Worte – an denen wir trotz hoher Wellen und stürmischer See Ruhe finden und empfinden können, wo wir uns sicher und geborgen fühlen dürfen.

Für mich ist Borkum so ein Ort. Und Kirchen sind für mich solche Orte. Gottes Haus in Accum oder Dykhausen oder anderswo. Ich weiß, dass die Accumer Kirche durch die Weihnachtsflut 1717 zerstört wurde. Dennoch ist und bleibt diese Kirche ein Ort, an dem Menschen „ruhig inmitten der Wogen“ werden können. Inmitten der Wo-gen, die unser Herz und unsere Seele bewegen. Und das sind sehr unterschiedliche Wogen: Solche, die uns fröhlich und dankbar machen und uns dazu bewegen Gott zu loben. Oder eben solche, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen und uns dazu bewegen Gott unser Leid zu klagen, ihn anzurufen und zu bitten.

In einem Lied umschreibt Detlev Block, wie sich so etwas anhören kann: „Herr, wenn das Wasser uns bedroht und in Gefahr uns bringt und Not, so bitten wir durch Jesus Christ, dass du uns hilfst und gnädig bist. Du selbst bist unser Damm und Deich. Du birgst uns Arme in dein Reich. Sei du den Menschen überall in Sturm und Nöten Schutz und Wall.“

Gerade im November versetzen Trauer-Wellen Menschen oft in Unruhe. Schmerz kommt hoch angesichts von Abschieden, die lange her sind oder erst ein paar Monate zurückliegen. Und Fragen, die wir sonst gern unter die Oberfläche drücken, tauchen auf im Meer des Lebens.

In den Gottesdienst am Toten- und Ewigkeitssonntag (26.11.) dürfen wir all das mit-bringen und gemeinsam „ruhig inmitten der Wogen“ werden.

Ihr Pfarrer Christoph Felten