„An den Flügeln!“ – Angedacht

Am 29. September ist „Michaelistag“ – früher ein großer kirchlicher Feiertag, an dem an Michael, den Erzengel, und andere erinnert wurde. Menschen kamen in die Kirchen, denn am Ende des Sommers wollten sie, bevor es kalt wurde, noch mal Kraft sammeln – und das mit Hilfe der Engel.

So wird der „Michaelistag“ nicht mehr gefeiert. Dafür tauchen Engel seltsamerweise an völlig anderen Orten auf – alleine oder in Heerscharen. Im Blumengeschäft liegen oder stehen sie im Regal rum, Versicherungen werben mit ihnen; Engel begegnen uns im Katalog als Partylichterkette und als dickliche Figuren in altmodischen Nachthemden dienen sie manch einem zur Dekoration. Ja, die Volksfrömmigkeit hält den Glauben an die Engel, mehr oder weniger kitschig, hoch.

Als ich in der Grundschule Glarum einmal Engelfiguren zeigte, wussten die Kinder sofort, worum es sich handelt. Ich fragte: „Woran habt ihr denn erkannt, dass das Engel sind?“ „An den Flügeln“, riefen sie laut. Sicher, Flügel brauchen die Engel, denn sie sind in Bewegung, sind als Boten unterwegs von Gott zu uns.

Engel kommen und gehen, sie sind nicht zu fassen, drängen sich nicht in den Vordergrund, wirken meist unerkannt. Entscheidend ist also nicht, wie sie aussehen, sondern, was sie tun. Oft sind es wunderbare, überraschende Erfahrungen, die Menschen dank der Engel machen.

Martin Luther betete jeden Morgen: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde“. Mit dieser Haltung begann er den Tag, mit der Bitte, dass Gottes Engel ihn begleitet und seine Sinne für die Momente schärft, wo Himmel und Erde sich berühren.

Eine meiner Lieblings-Engel-Stellen in der Bibel ist übrigens Lukas 2, Vers 8-10: „Es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!“.

Ihr Pfarrer Christoph Felten