Wie die Zeit vergeht

„Dezember – Januar – Februar“ ist der Zeitraum, den die aktuelle Ausgabe unseres Gemeindebriefes umfasst. In diese drei Monate fällt also ein Tag, der uns Menschen die Zeit, und wie sie vergeht, sehr deutlich macht: Silvester. Ein Jahr geht zu Ende, hört auf; das Neue kommt, beginnt. Mit der Zeit ist es so eine Sache. Und obwohl Zeit immer gleich schnell fließt oder wie in einer Sanduhr rieselt, empfinden wir sie oft unterschiedlich. Auch in unserer Sprache spielt Zeit eine wichtige Rolle: Zeit ist Geld, sich Zeit nehmen, verlorene Zeit, Zeit gewinnen, freie Zeit, Arbeitszeit – davon reden wir. Oder auch der Ausspruch: „Du liebe Zeit, bist du aber groß geworden!“. Immer da, wo so etwas gesagt wird, ist Menschen plötzlich bewusst: Wir werden älter, kleine Menschen werden groß und junge Menschen alt. Unsere Lebenszeit läuft. Diejenigen unter uns, bei denen der Zeiger auf dem Lebenswecker schon recht weit gelaufen ist, die kennen wohl auch das Gefühl: „Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit“. Manches Gedicht versucht das auf die leichte Schulter zu nehmen – dieses zum Beispiel: „Es ist seltsam mit dem Alter. Wenn man 13 und noch ein Kind, weiß man glasklar, dass das Alter so um 20 beginnt. Ist man aber selber 20, denkt man nicht mehr ganz so steif, glaubt jedoch, genau um 30 sei man für den Sperrmüll reif. 30-er, schon etwas weiser und vom Lebenskampf geprägt, haben den Beginn des Alters auf Punkt 40 festgelegt. 40-er mit Hang zum Grübeln sagen dumpf wie ein Fagott, 50 sei die Altersgrenze, und von da an sei man Schrott …“ – und so weiter. Fast jeder schiebt das Älterwerden ein Leben lang vor sich her. Im Januar habe ich Geburtstag. Wie alt ich werde, ist egal, aber Worte, die mir viel bedeuten, möchte ich dazu hier noch zitieren; Worte von Hanns Dieter Hüsch (1925-2005; siehe Foto). Jahrzehntelang hat er als Kabarettist Leute zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt. Und er war Christ und hat anderen mitgeteilt, was sein Glaube bewirkt:

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit
Gott nahm in seine Hände meine Zeit
Mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen
Mein Triumphieren und Verzagen
Das Elend und die Zärtlichkeit
Was macht dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich
Was macht dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn will mich durchs Leben tragen
Was macht dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt … wohlüber alle Welt.“

Ihr Pfarrer Christoph Felten