Zeit³

Sandstrand, zwei Strandkörbe, dahinter Meer und darüber blauer Himmel mit Möwe. Ein Sommerbild auf der Titelseite des Gemeindebriefs! 2009 habe ich es auf einer Postkarte entdeckt. Und diese Karte hat mich sofort angesprochen; das Motiv und die Worte darauf: „Umgeben von der Weite des Himmels, der Wärme des Lichtes und dem Rauschen des Meeres wünsche ich Dir Zeit, zu Dir selbst zu fiden, Zeit, loszulassen, Zeit, an Gott zudenken.“

Schon erstaunlich: Vielen Menschen gelingt das – wenn überhaupt – nur noch im Urlaub. Also: Den Himmel wahrnehmen. Im engen Alltag bleibt uns seine Weite oft verborgen. Auch die Wärme des Lichtes kühlt in der kalten Hektik sehr schnell ab. Und das Rauschen des Meeres oder Flusses, also wohltuende Geräusche, werden oft überhört und übertönt vom Krach des Lebens. Ja, zur Tragik heutiger Menschen gehört es, dass wir allzu oft durchs Leben hetzen. Es fällt uns offensichtlich schwer, die Ruhe zu bewahren, geschweige denn, sie zu suchen. Obwohl wir dadurch viel gewinnen würden.

Doch: Zeit, zu Dir selbst zu finden, Zeit, loszulassen, Zeit, an Gott zu denken – die will kaum noch einer haben. Denn im Grunde ist jedem klar, wenn ich mir die Zeit nehme, dann merke ich womöglich wirklich, wie unruhig mein Herz ist und welche Sehnsucht ich habe. – Nein, dann lieber Ablenkung mit Dolby-Surround im Wohnzimmer, Multimedia am Smartphone, Events im Einkaufszentrum oder
Flohmärkte am Sonntagnachmittag.

In Gottesdiensten lasse ich manchmal ein Lied singen, in dem es heißt: „Gib du uns Mut zur Stille, zum Schweigen und zum Ruhn. Wir danken dir: Du willst uns Gutes tun. Gib du uns Mut zum Glauben an dich, den einen Herrn. Wir danken dir, denn du bist uns nicht fern“. Ich bin überzeugt und habe es selbst schon erlebt: Wer so mutig ist, in die Stille zu gehen, zu schweigen und zu ruh‘n, der ahnt und entdeckt, was und wer uns wirklich trägt und hält.

Liebe*r Leser*in: Wo auch immer Du den Sommer 2021 verbringen wirst: Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden, Zeit, loszulassen, Zeit, an Gott zu denken. Dafür muss man noch nicht einmal in Urlaub fahren oder fliegen – nach Dänemark oder Griechenland. Das geht auch in Friesland. Um Gottes Weite, Wärme und Rauschen zu entdecken, dafür genügt es sich ein bisschen Zeit zu nehmen. Zeit, die Gott uns schenkt. Ein paar Minuten. Manchmal reichen sogar Sekunden. Und nicht zuletzt ist es eine Stunde Gottesdienst, die dazu einlädt.

Ihr Pfarrer Felten